Trainee­ausbildung zur/zum Waldorf-Geschäfts­führerIn

über ca. ein Jahr in Vollzeit

Eine besondere und praxisgebundene Ausbildung stellt die Traineeausbildung in Vollzeit dar, die ca. ein Jahr dauert und innerhalb derer die Trainees als Begleitende einer/eines GeschäftsführerIn an einer Waldorfschule von dieser in einem auszuhandelnden Gehalt sozialversicherungspflichtig beschäftigt werden.

Ziel

Diese grundlegende Ausbildung, für die das Netzwerk 2020 die Verantwortung von Michael Harslem übernommen hat, sieht vor, dass der GF-Trainee die Waldorfschule ein Jahr lang aus der Sicht der Geschäftsführung kennen lernt und praktisch erfährt. Dabei werden die jeweils für die Geschäftsführung noch fehlenden Qualifikationen mittels selbstverantwortlichem, erwachsenengerechtem Lernen in der tätigen Praxis als Trainee jeweils eines erfahrenen Geschäftsführers als Begleiter erworben.

Methode

Die jeweils für die Geschäftsführung noch fehlenden Qualifikationen werden mittels selbstverantwortlichem, erwachsenengerechtem Lernen in der tätigen Praxis als Trainee jeweils eines erfahrenen Geschäftsführers als Begleiter erworben. Die Ausbildung findet im möglichen Fall an 3 unterschiedlichen Schulen für jeweils ca. 4 Monate statt, um ein breiteres Spektrum der verschiedenen Ausprägungen von Waldorfschule auch in verschiedenen Bundesländern kennen zu lernen.

Inhalt der Tätigkeit an der Schule

Der GF-Trainee arbeitet in allen Bereichen der Geschäftsführung mit, übernimmt je nach Möglichkeiten bestimmte Teilaufgaben und sollte ein eigenes Projekt durchführen. Seine Selbst-Ausbildung orientiert sich jeweils an seinem individuellen Lernbedarf, den er mit seiner Ausbildungsbegleiterin/seinem Ausbildungsbegleiter abstimmt und wöchentlich reflektiert. So findet neben den inhaltlichen Besprechungen wöchentlich ein gemeinsames Ausbildungsgespräch statt, in dem der Stand der Ausbildung an Hand von Schlüsselerlebnissen reflektiert wird und ggfs. der Lernbedarf fortgeschrieben und der Arbeitsplan entsprechend modifiziert wird. Die einzelnen Lernphasen in den jeweiligen Arbeitsbereichen werden gut dokumentiert und ausgewertet. Die Ausbildung wird ergänzt durch spezielle Module für die GF-Trainees und die Ausbildungsbegleiter mit dem Ansatz des selbstverantwortlichen Lernens, deren Inhalte sich am Lernbedarf der GF-Trainees und der Ausbildungsbegleiter orientieren.

Die Ausbildung findet an 3 unterschiedlichen Schulen für jeweils ca. 4 Monate statt, um ein breiteres Spektrum der verschiedenen Ausprägungen von Waldorfschule auch in verschiedenen Bundesländern kennen zu lernen. Der Geschäftsführer-Trainee wird jeweils sozialversicherungspflichtig angestellt mit einem jeweils zu vereinbarendem Gehalt.

Begleitende Module

Die Ausbildung wird ergänzt durch 4-5 begleitende Module, deren Inhalte sich am Lernbedarf der GF-Trainees und der Ausbildungsbegleiter orientieren.

Inhalte und Themen der Module:

Die Rolle der Geschäftsführung in der Waldorfschule: Was treffe ich in meiner Schule an? In welchen Rollen bin ich tätig? Wie werde ich als neue*r Geschäftsführer*in in meiner Schule gesehen? Als Handlanger – Erfüllungsgehilfe – Partner – Sündenbock – Verhinderer – Ermöglicher – Brückenbauer – Unternehmer? Wie werde ich als Person gesehen? Was kommt mir entgegen? Was wird von mir von wem erwartet? Was wird auf mich projiziert? Will ich das so? Wie kann ich meine Rolle verändern? Wo fühle ich mich sicher, wo unsicher? Was will ich lernen?

Die Geschäftsführung als Experte

  1. für Finanzen, d.h. Haushaltplanung und -Durchführung, finanzielle Sicherung der Schule durch mittelfristige Finanzplanung, Kennzahlen zur Beurteilung der finanziellen Lage, Umgang mit Anschaffungen und Investitionen
  2. für rechtliche Fragen, wie Verträge, Arbeitsrecht, Haftungsfragen etc.
  3. für Versicherungen incl. Altersversorgung
  4. für Entscheidungsprozesse und deren Umsetzung

Das System Waldorfschule verstehen! Wo bin ich als neue*r GeschäftsführerIn gelandet? Formale Organisation und informelle Organisation, die Wirksamkeit von bestimmten Strukturen, Prozessen, Gewohnheiten, Interessen, Gruppen... Wem nützt was? Die besondere Rolle der Lehrerinnen und Lehrer, die Rolle der Eltern, die Rolle des Vorstands

Führung in der Selbstorganisation: Wie kann das gehen? Auf welche Führungsgewohnheiten stoße ich in der Schule? Welche Ideologien haben sich dazu in der Waldorfbewegung ausgebreitet? Wie sieht ein modernes Führungskonzept für eine Waldorfschule aus? Was können wir von Rudolf Steiner dafür lernen? Welche Ansätze sind dafür nötig und hilfreich? Welche Widerstände gibt es? Warum? Wie können diese Widerstände integriert werden?

Arbeiten im Team: Mit wem arbeite ich im Team? was erfordert das? Augenhöhe im Team bei unterschiedlichen Voraussetzungen – persönliches Führen auf Augenhöhe: Wie kann das gehen? Auf welche Führungsgewohnheiten stoße ich in der Verwaltung der Schule? Umgang miteinander: Transaktionsanalyse, 4 Ohren - 4 Zungen-Modell

Soziale Prozesse heilsam gestalten – eine Kunst, die erlernbar ist! Willensbildung und Entscheidung – soziale Tragfläche schaffen durch Beteiligung der Betroffenen – Formen der Teilhabe – Prozessgestaltung als Führungsaufgabe – neue Formen der Entscheidungsfindung: systemisches Konsensieren, soziokratischer KonsenT

Lernprozesse: Erwachsenenlernen, Potenzialanalyse, Lernbedarfe, Lernwege, Lernstrategien, Lernbarrieren, Sicherheiten

Intervision: Methodisch geführte Intervision als kollegiale Hilfe, wer können meine Intervisions-Partner sein? Verschiedene Intervisionsmethoden kennenlernen und üben

Dreigliederung des sozialen Organismus: Was war damit gemeint? Was heißt das für die Waldorfschule heute? Gängige Missverständnisse und Ideologien, Was bedeutet das für die Geschäftsführung?

SKÜ: unterschiedliche sozialkünstlerischen Übungen (SKÜ) als Möglichkeit von Grenzerlebnissen und Lernerfahrungen, z.B. Arbei

Weiterhin wird Michael Harslem beratend und als Supervisor diese GF-Trainee-Fortbildung begleiten und die übergreifenden Module mitgestalten.

Da wir eng mit der LiP-Lehrerbildung in der Praxis zusammenarbeiten, ist es möglich, dass Bezugsberechtigte diese Fortbildung von der Agentur für Arbeit gefördert bekommen können.

Kosten der Module

Die Kosten für Referent*innen und Tagungsraum sind durch Fördermittel des BdFWS gedeckt. Es sind nur die eigenen Fahrtkosten und die Unterbringung zu zahlen. Die Unterbringung incl. der Verpflegung wird voraussichtlich pro Person und Modul zwischen 360 € und 380 € betragen.

 

Ausführliche Informationen finden Sie auf der Webseite von Michael Harslem unter https://harslem.de/veroeffentlichungen/geschaeftsfuehrung sowie auf der Webseite der Akademie für Entwicklungsbegleitung von Menschen und Organisationen https://entwicklungsbegleitung.net/fortbildungen/gf-trainee

Für detaillierte Informationen und ein persönliches Gespräch steht Astrid Groeger gerne zur Verfügung und freut sich, wenn Sie sich bei ihr melden:
Telefon: +49 3643 - 858 04 78
Mobil: +49 171 - 512 0508
E-Mail: groeger@netzwerk-waldorf-gf.de
Kontaktformular

Anhang

Aus den bisherigen Erfahrungen mit der Geschäftsführer-Trainee-Ausbildung haben sich in der Auswertung der einzelnen Ausbildungssituationen und in der laufenden Fortschreibung der Bedingungen und Lernfelder folgende Bereiche einer Waldorfschule ergeben, die im Rahmen einer GF-Trainee-Ausbildung möglichst praktisch tätig erfahren werden sollen:

  1. Generelle Bereiche:
  • unternehmerisches Konzept der Waldorfschule
  • Grundlagen der Anthroposophie und Waldorfpädagogik, soziale Dreigliederung
  • Selbstorganisation als Organisationsprinzip
  • Führung auf Augenhöhe
  • Selbstmanagement
  1. Geschäftsführung:
  • Buchhaltung, Bilanz, Jahresabschluss, Rechnungswesen, Haushaltsplanung + -Durchführung, mittelfristige Finanzplanung, Risikomanagement, Compliance
  • Gehälter, Sozialversicherung, Lohnsteuer
  • Zusammenarbeit mit Steuerberater/Wirtschaftsprüfer
  • Steuerfragen, Umsatzsteuer
  • wirtschaftliche Geschäftsbetriebe
  • Anschaffungen, Investitionen, Bauvorhaben
  • Darlehen
  • Zuschüsse
  • Spenden
  • Verwaltung, Büroorganisation, Datenverarbeitung
  • Personalverwaltung, Personalentwicklung, Personalführung
  • Rechtsfragen, alle Verträge
  • Zusammenarbeit mit Rechtsberatern, v.a. Arbeitsrechtler
  • Lehrergenehmigungen
  • Versicherungen, Berufsgenossenschaft
  • Behörden, Außenkontakte
  • Gremienarbeit, Informationsprozesse
  • Mitgliederversammlung
  • Öffentlichkeitsarbeit
  • Elternbeiträge, Finanzgespräche
  • Schülerbeförderung
  1. Nicht-pädagogischer Bereich
  • Hausmeisterei, Haustechnik, Sicherheit
  • Gebäude, Energie, Reparaturen
  • Putzen
  • Küche, Mensa, Cafeteria
  • Geländepflege
  1. Gremien
  • in der Schule
    • Vorstand/Aufsichtsrat
    • Baukreis
    • Finanzkreis, Wirtschaftskreis etc.
    • Arbeitskreise
  • außerhalb
    • Geschäftsführerkonferenz Land/ Bund
    • LAG
    • Arbeitsgemeinschaft Freier Schulen
    • Schulträgerversammlung/ MV BdFWS
  1. Pädagogischen Bereich kennenlernen
  • Pädagogische Grundlagen
    • Unterricht in der US + MS + OS kennen lernen
    • Pädagogische Konferenz
    • Berufsbegleitendes Seminar?
  • Pädagogische Leitung/ Führung
    • Schulführung/Schulleitung/Verwaltungsrat
    • Konferenzvorbereitung + Konferenzleitung
    • Personalkreis/Personalführung/Personalentwicklung
  • Pädagogische Selbstverwaltung
    • Konferenzen
    • Klassenkonferenzen
    • Stundenplan
    • Vertretungsregelung
    • Deputatskreis
    • Fachschaften
    • Schüler-Aufnahmen
    • Mandate/Delegationen/Arbeitskreise
  1. Eltern
  • Elternrat/ Elternvertretung
  • Einführungsveranstaltungen
  • Elternabende
  • Festkreis,
  • Bazarkreis etc.
  1. Schüler
  • SMV, Schülersprecher
  1. falls vorhanden auch Kindergarten, Hort und GTS
  • pädagogisches Konzept
  • rechtliche Fragen, Genehmigung
  • Finanzen
  • Personal
  • Zuschüsse
  • Elternarbeit
  • Zusammenarbeit mit der Schule