Ausbildung

Die Geschäftsführung einer Waldorfschule ist eine spezielle Aufgabe in einem speziellen selbstverwalteten Organismus, die mit einer gängigen Geschäftsführung eines Betriebes oder einer GmbH nur wenig gemeinsam hat. Deshalb hat sich seit 2002 bewährt, wenn ein potenzieller Geschäftsführer einer Waldorfschule sich in diesem Bereich ein Jahr lang in der Praxis ausbildet.

Mit dem Jahresbeginn 2020 hat das Netzwerk der WaldorfgeschäftsführerInnen im Bund der Freien Waldorfschulen e.V. die Verantwortung für die einjährige Vollzeit-Fortbildung/Ausbildung der WaldorfgeschäftsführerInnen von Michael Harslem übernommen.

Das Konzept der Trainee-Ausbildung für Waldorf-GeschäftsführerInnen sieht vor, dass der GF-Trainee die Waldorfschule ein Jahr lang aus der Sicht der Geschäftsführung kennen lernt und praktisch erfährt. Dabei werden die jeweils für die Geschäftsführung noch fehlenden Qualifikationen mittels selbstverantwortlichem, erwachsenengerechtem Lernen in der tätigen Praxis als Trainee jeweils eines erfahrenen Geschäftsführers als Begleiter erworben.

Der GF-Trainee arbeitet in allen Bereichen der Geschäftsführung mit, übernimmt je nach Möglichkeiten bestimmte Teilaufgaben und sollte ein eigenes Projekt durchführen. Seine Selbst-Ausbildung orientiert sich jeweils an seinem individuellen Lernbedarf, den er mit seiner Ausbildungsbegleiterin/seinem Ausbildungsbegleiter abstimmt und wöchentlich reflektiert. So findet neben den inhaltlichen Besprechungen wöchentlich ein gemeinsames Ausbildungsgespräch statt, in dem der Stand der Ausbildung an Hand von Schlüsselerlebnissen reflektiert wird und ggfs. der Lernbedarf fortgeschrieben und der Arbeitsplan entsprechend modifiziert wird. Die einzelnen Lernphasen in den jeweiligen Arbeitsbereichen werden gut dokumentiert und ausgewertet. Die Ausbildung wird ergänzt durch spezielle Module für die GF-Trainees und die Ausbildungsbegleiter mit dem Ansatz des selbstverantwortlichen Lernens, deren Inhalte sich am Lernbedarf der GF-Trainees und der Ausbildungsbegleiter orientieren.

Die Ausbildung findet an 3 unterschiedlichen Schulen für jeweils ca. 4 Monate statt, um ein breiteres Spektrum der verschiedenen Ausprägungen von Waldorfschule auch in verschiedenen Bundesländern kennen zu lernen. Der Geschäftsführer-Trainee wird jeweils sozialversicherungspflichtig angestellt mit einem jeweils zu vereinbarendem Gehalt.

Weiterhin wird Michael Harslem beratend und als Supervisor diese GF-Trainee-Fortbildung begleiten und die übergreifenden Module gestalten. In vier Wochenendmodulen arbeiten die Geschäftsführer-Trainees und die Ausbildungsbegleiter*innen mit externer Moderation an übergreifenden Themen wie zum Beispiel Arbeit im Team, Führung auf Augenhöhe, Selbstorganisation, Feedback-Kultur, soziale Dreigliederung in der Waldorfschule und sich aus dem jeweiligen Lernbedarf ergebenden Fragen.

Da wir eng mit der LiP-Lehrerbildung in der Praxis zusammenarbeiten, ist es möglich, dass Bezugsberechtigte diese Fortbildung von der Agentur für Arbeit gefördert bekommen können.

Ausführliche Informationen finden Sie auf der Webseite von Michael Harslem unter https://harslem.de/veroeffentlichungen/geschaeftsfuehrung sowie auf der Webseite der Akademie für Entwicklungsbegleitung von Menschen und Organisationen https://entwicklungsbegleitung.net/fortbildungen/gf-trainee

Bei Interesse wenden Sie sich bitte an den Vorstand des Netzwerkes der WaldorfgeschäftsführerInnen Astrid Groeger oder Sie schicken gleich eine übliche Bewerbung - Kontaktdaten auf unserer Kontaktseite

Anhang

Aus den bisherigen Erfahrungen mit der Geschäftsführer-Trainee-Ausbildung haben sich in der Auswertung der einzelnen Ausbildungssituationen und in der laufenden Fortschreibung der Bedingungen und Lernfelder folgende Bereiche einer Waldorfschule ergeben, die im Rahmen einer GF-Trainee-Ausbildung möglichst praktisch tätig erfahren werden sollen:

  1. Generelle Bereiche:
  • unternehmerisches Konzept der Waldorfschule
  • Grundlagen der Anthroposophie und Waldorfpädagogik, soziale Dreigliederung
  • Selbstorganisation als Organisationsprinzip
  • Führung auf Augenhöhe
  • Selbstmanagement
  1. Geschäftsführung:
  • Buchhaltung, Bilanz, Jahresabschluss, Rechnungswesen, Haushaltsplanung + -Durchführung, mittelfristige Finanzplanung, Risikomanagement, Compliance
  • Gehälter, Sozialversicherung, Lohnsteuer
  • Zusammenarbeit mit Steuerberater/Wirtschaftsprüfer
  • Steuerfragen, Umsatzsteuer
  • wirtschaftliche Geschäftsbetriebe
  • Anschaffungen, Investitionen, Bauvorhaben
  • Darlehen
  • Zuschüsse
  • Spenden
  • Verwaltung, Büroorganisation, Datenverarbeitung
  • Personalverwaltung, Personalentwicklung, Personalführung
  • Rechtsfragen, alle Verträge
  • Zusammenarbeit mit Rechtsberatern, v.a. Arbeitsrechtler
  • Lehrergenehmigungen
  • Versicherungen, Berufsgenossenschaft
  • Behörden, Außenkontakte
  • Gremienarbeit, Informationsprozesse
  • Mitgliederversammlung
  • Öffentlichkeitsarbeit
  • Elternbeiträge, Finanzgespräche
  • Schülerbeförderung
  1. Nicht-pädagogischer Bereich
  • Hausmeisterei, Haustechnik, Sicherheit
  • Gebäude, Energie, Reparaturen
  • Putzen
  • Küche, Mensa, Cafeteria
  • Geländepflege
  1. Gremien
  • in der Schule
    • Vorstand/Aufsichtsrat
    • Baukreis
    • Finanzkreis, Wirtschaftskreis etc.
    • Arbeitskreise
  • außerhalb
    • Geschäftsführerkonferenz Land/ Bund
    • LAG
    • Arbeitsgemeinschaft Freier Schulen
    • Schulträgerversammlung/ MV BdFWS
  1. Pädagogischen Bereich kennenlernen
  • Pädagogische Grundlagen
    • Unterricht in der US + MS + OS kennen lernen
    • Pädagogische Konferenz
    • Berufsbegleitendes Seminar?
  • Pädagogische Leitung/ Führung
    • Schulführung/Schulleitung/Verwaltungsrat
    • Konferenzvorbereitung + Konferenzleitung
    • Personalkreis/Personalführung/Personalentwicklung
  • Pädagogische Selbstverwaltung
    • Konferenzen
    • Klassenkonferenzen
    • Stundenplan
    • Vertretungsregelung
    • Deputatskreis
    • Fachschaften
    • Schüler-Aufnahmen
    • Mandate/Delegationen/Arbeitskreise
  1. Eltern
  • Elternrat/ Elternvertretung
  • Einführungsveranstaltungen
  • Elternabende
  • Festkreis,
  • Bazarkreis etc.
  1. Schüler
  • SMV, Schülersprecher
  1. falls vorhanden auch Kindergarten, Hort und GTS
  • pädagogisches Konzept
  • rechtliche Fragen, Genehmigung
  • Finanzen
  • Personal
  • Zuschüsse
  • Elternarbeit
  • Zusammenarbeit mit der Schule